Wie alles begann....


... wahrscheinlich wie bei allen anderen auch, oder doch anders???

Ich habe einen kleinen Sohn, der jetzt (2003) sieben Jahre alt wird. Als er drei Jahre alt war und ich keine Möglichkeit hatte, ihm Geschwister zu bescheren, beschloss ich etwas für sein Verantwortungsbewusstsein zu tun. Ich kaufte ein kleines, süßes thüringer Zwergkaninchen aus einem Zoogeschäft.

Der kleine Kerl wurde Pünktchen getauft und fristete - im nachhinein möchte ich es einfach nicht anders nennen - ein trauriges, einsammes Leben im Zimmer meines Sohnes.Er wurde regelmäszlig gefüttert, durfte frei laufen - im Kinderzimmer - und bekam Wasser. Das alles natürlich von mir, mein Sohn war nur dabei und "half", wenn man das so nennen kann. Als Tierquäerei sehe ich im Rückblick, dass er 1. alleine war, 2. beim Freilauf mit dem Kind oft alleine war und 3. dann auch noch bei lauter Musik und Kindergeschrei.

Ich bin jetzt sicher, Pünktchens erste Jahre waren alles andere als schön. Der Rammler war aber trotz allem, sehr zutraulich, dankbar und gutmütig. Ich habe nie erlebt, dass er gegen einen von uns in irgendeiner Weise böse oder aggresiv wurde.


April 2003


Mein Lebensgefährte, der von Anfang an gegen die Anschaffung des Ninchens war, beschließt dass Pünktchen "ausquatiert" wird. Ich habe im Hof einen etwa 15 qm großen Auslauf, der mit einem Lattenzaun umgeben ist. Dort soll künftig Pünktchen leben. Wir haben noch eine Hundetransportbox, die in kein Auto mehr passt und vor sich hin modert. Wir zänten den Auslauf mit Hasendraht ein, stellen die Hundebox hineinund sind begeistert.Die Box ist viel größer als unser Käfig und Pünktchen hat ganz viel Platz darin - herrlich. Unser Kaninchen lebt richtig auf, er genießt es so richtig.

Jetzt geht es los: Internet, Bücherei, Zeitschriften überall sammele ich alles was man über Ninchen wissen sollte - untypisch für mich, dass ich das nicht schon tat als wir uns damals das Ninchen angeschafft haben, denn eigentlich lege ich großen Wert auf artgerechte Haltung.

Wir bauten einen 2 mal 2 m großer Käfig um das Hundebox-Ninchen-Haus, der ganz mit Kaninchenzaun umgeben ist.Jetzt kommt weder eine Katze noch ein Greifvogel an unseren Mümmelmann ran. Dann geht es an die Gestaltung des Freilaufs. Wir schütten Sand in eine Ecke und besorgten Obstbaumäste, beides wird strahlend von Püncktchen aufgenommen. Er wälzt sich im Sand, buddelt, schmeist sich richtig in den Sand und "badet" darin. Er ist begeistert - und wir stellen fest, wie viel Spaß man mit einem Kaninchen wirklich haben kann.
Pünktchen & Donny

Nun muß auch Gesellschaft her. So ein großer Auslauf und nur ein Kaninchen, wir beschließen ihm noch einen Kameraden zu beschaffen. Im Kleinanzeigenmarkt einer Zeitung werden kostenlos Widder-/ Zwergkaninchenmix-Babies angeboten. Wir holen "Donny" ab.

Donny, weiß mit braune Ohren und ein paar vereinzelte braune Punkte, ein Ohr stehend, das andere halb hängend, ist Justins absoluter Liebling. Wie im Kaninchenbuch empfohlen, steht nun der 10 Wochen alte Donny 2 Tage mit normalem Käfig im Auslauf. Als wir merken, dass die beiden ständig zusammen hängen, einer lag vor dem Käfig, der andere von innen am Käfig, lassen wir die beiden zusammen. Sie "berammeln" sich erst mal krätig, dann liebten sie sich. Es machte Spaß den beiden zuzusehen. Donny mit seiner Jugend verjüngte unseren alten, dicken Mann sichtlich.

Zwei Wochen später meinte mein Lebensgefährte, dass wir vielleicht doch ein Weiblein hätten nehmen sollen.

Meine Augen blitzten auf und bevor er es sich anders überlegen konnte, saßen wir im Auto auf der Suche nach einer Ninchendame...




Erste Zuchtversuche
und Erfolge !!!


In einem Zoogeschäft fanden wir eine wildfarbene Dame mit grauem Löwenkragen. Ich wollte unbedingt ein Löwenköpfchen haben, seitdem ich die ersten Bilder von Löwenköpfchen gesehen hatte - grau sollte es dann auch noch sein.

Ich rief verschiedene Züchter an, aber bisher hatte ich kein Glück gehabt, zwar wurden immer mal wieder graue Tiere verpaart, aber es kam einfach kein graues Baby dabei heraus.

So standen wir dann also vor der Löwendame in Einzelhaft. Wir fragten, warum sie in Einzelhaft sei und uns wurde gesagt, dass sie zu den anderen Ninchen aggessiv ist und evtl. auch tragen ist. Das schreckt mich nun kein bisschen ab. Als der Pfleger sie dann rausholen wollte um genau nachzusehen, ob es Männlein oder Weiblein sei, knurrte sie gewaltig - er bestätigte - sie sei weiblich.

Als wir uns dann zum Kauf entschieden und er einen Karton geholt hatte, ging der Kampf erst richtig los! Schnippe war ein richtiges Kampfkaninchen. Mehrmals fragte mich mein Lebensgefährte, ob ich das ernst meinte, dieses Tier zu wollen. Doch ihr fauchen, beißen und kratzen, galt ja nicht mir. Ich hatte sie kurz vorher einen Moment an der Stirn berühren dürfen, sie wirkte dabei nicht ängstlich oder angriffslustig, ihr Protest galt scheinbar ihrem Pfleger. Nein, genau dieses Tier wollte ich.

Schnippe das Kampfkaninchen



Zuhause entpuppte sich die Dame als sehr verträglich mit unseren Herrn. Am zweiten Tag wurde sie schon kräftig bedeckt, obwohl uns erstaunte, dass sie meist mehr die Herrn begattete als umgekehrt.



Innerhalb von zwei, drei Wochen wurde aus diesem Kampfkaninchen, eine liebe, zutrauliche und traumhft anhängliche Dame. Schnippe konnte nie hochgenommen werden, sie ließ sich auch nur streicheln, wenn sie das wollte oder wenn sie fraß. Sie war aber immer die Erste, die zu einem kam, kaum dass man den Auslauf betrat, sie sprang an einem hoch, stellte sich auf die Hinterbeine und hielt sich mit den Vorderpfoten am Bein angelehnt, als sei sie ein Hunde, wenn sie einem anspringen. Sie war ein wunderbares Tier - ich habe es keinen Tag bereut einem Kampfkaninchen ein Zuhause gegeben zu haben.

Drei Wochen später hatte Schippe ein Nest gebaut und genau 30 Tage nach der Bedeckung, rupfte sie ihr Fell, drei Stunden später lagen 2 runde, gesunde Babies im Nest.



Die Jungen aus dem 1. Wurf durften ab einem Alter von 20 Tagen zu Papa und Donny. Die Mama hatten wir mit laufen lassen, deshalb lagen dann wieder vier Wochen später weitere 7 Jungen im Nest.



Die Jungen aus dem 1. Wurf waren wild- und fehfarben. Zwei entzückende Damen, jedoch mit normaler Haarlänge, keine Löwen. Mein persönlicher Traum wäre ein "Thüringer Löwe" gewesen.



Die Jungen aus dem 2.Wurf waren von Anfang an anders. Wegen der großen Hitze in diesem Sommer, sind uns leider gleich am zweiten Tag 2 Babies eingegangen. Ich fürchte sie sind vertrocknet, denn ihre Mutter ging nur 1-2 mal täglich zum sägen zu den Babies. Trotz schattenspendender Vorkehrungen von mir, muss es den Kleinen doch zu warm gewesen sein. Wir haben dann die verbleibenden 5 Jungen mit der Mutter - die das gar nicht gut fand - in unseren normalen Hasenkäfig in die Wohnung gebracht. Nach 5 Tagen durften in den Außenstall!



Wir hatten diesmal 2 mal wildfarbene, 2 mal blaue und ein schwarzes Jungtier. Der Schwarze und ein blaues Baby waren richtg wollig, langhaarig im Vergleich zu den anderen. Ich war doppelt stolz, ich hatte eine tolle Mama, ein tolles Ninchen und dann brachte sie auch noch blaue Jungtiere, ich wollte doch immer so ein Ninchen haben. Es war einfach eine herrliche Zeit !!!

Meine Fehler -

Nicht zur Nachahmung empfohlen, doch ich möchte sie zur Warnung für alle anderen auch nicht verschweigen !


Nachdem unsere dritte Dame ins Haus kam, erkundigten wir uns, wie das so mit dem Impfen abläuft. Ich hatte auch beschlossen unseren Donny, der ja ein Mix war, kastrieren zu lassen, damit seine gemischten Gene nicht mit in die Zucht einfließen. Mein Traum war immer noch ein thüringer Löwe.

Nun gut, die Kastration wurde vorgenommen, was auch die Situation unter den Herrn entspannte. Scheinbar hatte Pünktchen schon Konkurrenz gewittert,die Kastration kam gerade zur rechten Zeit um größere Auseinandersetzungen zwischen unseren Ninchen-Männern zu vermeiden!

Das Impfen wollten wir um ein Jahr verschieben. Die Impfung sollte 22- 28 Euro pro Ninchen kosten, das war uns einfach zu teuer. Wir wollten bis zum nächsten Jahr warten. So würden wir uns eine Ampulle Serum und die Kosten mit noch 7 weiteren Tieren teilen. Außerdem hilt ich es für nicht so gut, unsere jetzt zutrauliche und vertrauenmsvolle Schnippe zu packen, in einen Karton zu stecken und zu einer Spritze zu bringen. Ich hatte Angst sie würde mir das nie verzeihen und mich mit ihrem verhassten Pfleger auf die gleiche Stufe stellen.

Erst vor kurzem habe ich bemerkt, dass die Impfpreisberechnung ein großer Fehler war.
Dafür sind wir dann...... das erst etwas später!
Donny

Den ganzen Sommer über ging alles gut, bis Ende September.
Eines Sonntag morgens kam ich in den Auslauf und fand unseren Donny tot vor. Ich war ganz entsetzt, ausgerechnet der Liebling meines Sohnes.
Ich versuchte es ihm schonend beizubringen doch er weinte fürchterlich.
So beschlossen wir Donny in einen Karton zu legen und ihn am Abend zu beerdigen.


Ich schaute nach den anderen Kaninchen und gab ihnen Futter. Plötzlich fiel mir auf, dass meine Schnippe nicht auftauchte, mir blieb das Herz fast stehen. Mit einem "Nein, nicht auch noch Schnippe" stürzte ich ans Häuschen, doch meine Maus saß darin - doch sichtlich krank. Als ich sie ohne Gegenwehr auf den Arm nehmen konnte, begann ich zu weinen. Sie mußte sehr schwer krank sein.

Was haben meine Ninchen bloß ???

Ich rief sofort einen Tierarzt an, denn meine Tierärztin war leider im Urlaub. Der Not-Tierarzt erklärte mir, per Ferndiagnose, daß mein Kaninchen alle sterben werden, weil sie wahrscheinlich die China-Seuche haben.
-- Keine Überlebenschance--
Zu spät um auch nur ein Tier zu retten !

meine süße Schnippe

Wir saßen die nächsten 6 Stunden vor dem Käfig unserer Schnippe im Wohnzimmer und weinten. Wir hofften, beteten, beteten und hofften, doch um 15.15 Uhr erstickte meine Schnippe ganz jämmerlich und ich muß ihr dabei zusehen.
Das war einer der schlimmsten Momente in meinem Leben!!!
Da starb mein Freund und ich konnte ihm nur zusehen mit dem Bewusstsein, wenn es China-Seuche ist, dann bin ich schuld!


Pünktchen

Nur 2 Tage später erkrankte Pünktchen. Um 15 Uhr war er noch fit gewesen! Ich bekam einen wahnsinnigen Drang alle 2 Stunden in den Auslauf zu schauen, immer mit der Angst noch mehr Tote oder Kranke zu finden! Eines wußte ich ganz sicher, ich wollte nie mehr einem Kaninchen beim Ersticken zusehen müssen. Die nächsten Tiere würden eingeschläfert werden, koste es was es wolle!!!


Um 16 Uhr sah ich ihm an das er krank war. Ich wurde so -hysterisch-, dass mein Lebensgefährte sofort einwilligte zum Tierarzt zu fahren und ihn einzuschläfern. Unsere Tierärztin konnte aber nichts feststellen außer einer Erkältung, Pünktchen atmete sehr schwer, zu meiner Beruhigung ließ sie mich sogar sein Herz und seine Atmung abhören. Sie redete mir gut zu und wir nahmen ein krankes, aber nicht sterbenskrankes Ninchen wieder mit nach Hause. Keine 2 Stunden später rastete ich wieder aus, da es für mich keinen Zweifel mehr gab, es war keine Erkältung!!! Es war die gleiche Krankheit, die auch Schnippe hatte!!! Ich rief sofort wieder bei meiner Tierärztin an und sprach ihr meine Bitte und Ängste aufs Band. Keine 3 Minuten später rief sie zurück und wir durften sofort nochmal kommen. Doch ich war mir nicht mehr sicher ob Pünktchen noch so lange leben würde. (Es sind keine 3 km bis zu meiner Tierärztin, aber er war so schwach. Es ging so verdammt schnell, er lag schon ganz leblos im Käfig!)
Auch die Tierärztin war fassungslos. Ich brachte ihr ein totes Kaninchen. Sie zeigte uns ihr Lehrbuch, eigentlich hätte Pünktchen aus der Nase bluten müssen, die Tiere verbluten innerlich bei dieser Seuche. Doch keines meiner Tiere hatte Blut an der Nase. Wir beschlossen Pünktchen einzuschicken!!
"Ich will endlich wissen was meine Tiere haben!!!"

Im 2-Tage-Rhythmus starben meine Ninchen.
Als nächstes starb ein Baby aus dem 1. Wurf, das Wildfarbene. Die beiden Löwenkopf-Jungen aus dem 2. Wurf, die noch bei uns waren (die anderen 3 wurden nach Heidelberg vermittelt) hatten wir, nach Pünktchens tot, in die Wohnung geholt. Jungtiere bis 10 Wochen sind angeblich über sie Muttermilch immun.
In der Hoffnung das wenigstens in den 2 Jungtieren die Gene von Schnippe und Pünktchen überleben, hatten wir sie von den anderen getrennt. Es ist schrecklich wie schnell die Tiere sterben!!!



Nun nahmen wir auch Naomi, ein ganz neu dazugekommenes Teddy-Löwenmix Kaninchen (ebenfalls sehr agressiv, aber anders veranlagt), und das fehfarbene Baby mit in die Wohnung. Jedes der Tiere bekommt einen großen Karton und wird (getrennt voneinander) in einem anderen Zimmer untergebracht. Naomi wohnt im Kinderzimmer, das fehfarbene Baby (1.Wurf) im Wohnzimmer und die Löwenbabies in der Küche. Wir fingen an die Kleider zu wechseln und desinfizierten unsere Hände und Arme, wenn wir von Kaninchen zu Kaninchen gingen. (Klinisches Desinfektionsmittel bekam ich von meiner früheren Arbeitsstelle als Reinigungskraft)

Doch als ich Samstagsmittags von der Arbeit nach Hause kam, lag auch das fehfarbene Ninchen tot in seiner Kiste.
Unser Garten sah mittlerweile wie ein Schweizer Käse aus, so viele Löcher, so viele Gräber!!!

Doch endlich hatten wir den Bann gebrochen. Naomi und die beiden Löwenbabies überlebten. Eine Woche nachdem kein Ninchen mehr gestorben war, kam auch die Diagnose aus dem Labor, es war RHD !!!

Wir bauten einen großen Innenkäfig und hielten die drei Ninchen in der Küche und noch im November 2003 wurden die 3 geimpft.


Kontakt --- Startseite --- Damen-& Herren-Abteilung --- Haltung der Ninchen --- Geeignetes Allerlei für Kaninchen
color by LosBibbos